Die Natur pflegt das Grab

(djd). Wenn herbstlich bunte Blätter von den Bäumen fallen, dann gehört das in einem Bestattungswald auch zur Grabpflege: Dort können Menschen nach ihrem Tod in freier Natur ihre letzte Ruhestätte unter einem Blätterdach finden. Doch wie läuft eine solche Art der Bestattung eigentlich ab? Petra Bach, Geschäftsführerin des hessischen Bestattungswaldbetreibers FriedWald: „Wer sich für eine Beisetzung an einem Baum interessiert, der möchte meist zuerst das Konzept kennenlernen. Es wird von geschulten Förstern alle zwei Wochen bei kostenlosen Waldführungen vermittelt.“ Viele Menschen, so Bach, würden sich anschließend mit Angehörigen und Freunden beraten, bevor sie einen Baumauswahltermin an dem Standort vereinbaren, den sie ausgesucht haben. Die entsprechenden Möglichkeiten sind vielfältig: So unterhält beispielsweise FriedWald allein derzeit 51 Bestattungswälder in Deutschland, vom Bodensee bis zur Nordsee. Mehr Informationen dazu gibt es unter www.friedwald.de.

Das Recht auf einen Baumplatz erwerben

In jedem Bestattungswald gibt es unterschiedliche Arten von Gräbern. So erwirbt man beispielsweise mit einem Gemeinschaftsbaumplatz einen oder mehrere Plätze an einem Gemeinschaftsbaum, der bis zu zehn Menschen als Begräbnisstätte dient, unabhängig von familiären oder freundschaftlichen Beziehungen. An einem Familien- oder Freundschaftsbaum hingegen werden die Plätze entweder an die Mitglieder einer Familie oder an Freunde vergeben. Petra Bach: „Der Gemeinschaftsbaumplatz beginnt kostenmäßig bei 770 Euro, die einmal für bis zu 99 Jahre gezahlt werden. Ein Platz am Familienbaum kostet ab 3.350 Euro.“ Hat man sich für einen bestimmten Baum entschieden, bekommt man einen Vertrag zugeschickt sowie später eine Urkunde. „Diese ist mit einer Baumnummer versehen und gibt einem das verbriefte Recht, sich an diesem Baum beisetzen zu lassen“, erklärt Petra Bach. Alle Baumgrabstätten im FriedWald sind in ein Baumregister eingetragen. Dieses ist auch bei der Gemeinde hinterlegt, auf deren Gebiet der Wald steht.

Der Bestatter organisiert die Urnenbeisetzung

Wenn derjenige stirbt, der im Bestattungswald beigesetzt werden möchte, ruft in der Regel ein Angehöriger oder der Bestatter beim Betreiber des Waldes an. Daraufhin wird ein Termin für die Beisetzung gefunden. Wichtige Fragen, die daraufhin geklärt werden müssen, lauten: Welchen Rahmen soll die Bestattung haben? Welche Zeremonien sind geplant? Ein Bestattungsunternehmen kann für die Angehörigen alle notwendigen Schritte wie vor jeder anderen Urnenbeisetzung unternehmen. So kann es zunächst dafür sorgen, dass der Verstorbene eingeäschert wird und die Urne dann in den Bestattungswald kommt. Was die Zeremonien angeht, hat Bestattungswaldbetreiberin Bach sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht: „So vielfältig wie die Wälder und die Menschen sind, so sind auch die Bestattungen, die dort zelebriert werden. Manche sind klein, leise und ruhig – ein stilles Gedenken. Andere werden in größerem Rahmen begangen oder sogar als Picknick inszeniert.“

Gedenksteine gehören zu gern gepflegten Ritualen

Es gibt keine Vorschriften, wie eine Bestattung im Wald auszusehen hat – offenes Feuer ist allerdings nicht gestattet und Blumen sollten nach der Beisetzung wieder mitgenommen werden. Petra Bach: „Was nicht natürlich im Wald wächst, sollte dort auch nicht bleiben.“ Ansonsten hätten sich im Lauf der Jahre Rituale herausgebildet, die gepflegt werden. Manche Beisetzungsgesellschaften etwa würden einen kleinen „Gedenkstein“ von Hand zu Hand geben, nachdem sie sich im Kreis aufgestellt hätten. „Jeder sagt etwas über den Verstorbenen, an das er sich erinnert. Oft wird auch Musik gespielt oder man betet zusammen“, erläutert Bach. Ein Geistlicher könne die Beisetzung begleiten – aber es gebe auch Menschen, die aus Überzeugung lieber einen Trauerredner engagieren oder ihre eigenen Gedanken formulieren würden.

BU: Wenn bunte Herbstblätter fallen, zählt das in einem Bestattungswald zur Grabpflege: Eine Beisetzung in der freien Natur ist für viele Menschen heute eine Alternative zu einem Friedhof. Foto: djd/FriedWald/Gasparini

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